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MP: Wird die Band dann mit dir auf Tour gehen, oder ist Babybird jetzt eines dieser Mastermind-Projekte, wo du dir die Musiker nur nach Bedarf mietest? Babybird: Nun, ich habe eigentlich immer alleine geschrieben, weil ich finde, dass man so einen persönlicheren und intimeren Sound auf der Platte erreichen kann. Also sind es tatsächlich nur eine andere Person und ich, die "Bugged" aufgenommen haben. Aber es werden andere Musiker dazukommen, die dann mit uns auf Tour gehen werden. MP: Andererseits heisst das ja, dass du Unsummen durch die Tantiemen bekommen wirst... Babybird: Das stimmt schon, aber wie gesagt: ich schreibe immer alleine und habe deshalb schon von den letzten Alben die Tantiemen immer alleine eingestrichen - aber ich teile sie. Ich bin kein komplettes *ähm*, ich nehme nicht alles. MP: Wie gehst du an Musik heran und wie bist du eigentlich dazu gekommen? Babybird: Ich habe immer schon geschrieben - im Moment ist ein Roman von mir auf dem Markt. Und eine Geschichte wird demnächst in Deutschland veröffentlicht - obwohl ich nicht genau weiss wann, weil das am deutschen Verleger liegt. Ich habe also mit dem Schreiben angefangen, als ich zur Kunsthochschule ging. Und ich habe auch gemalt und mich mit Farbfotografie und Fotomontage und all' diesem Zeug beschäftigt. Die Musik ist dann einfach dazugekommen. Ich bin einer Theatergruppe beigetreten und habe angefangen dafür Regie zu führen und die Musik zu schreiben. Dass war alles ohne Gesang, also streng instrumental - so ging das los. Und dann habe ich nur irgendwie Musik und Kurzgeschichten zusammengefügt und dabei kam Babybird heraus. MP: Hast du gelernt ein Instrument zu spielen? Babybird: Ja! Ich habe in der Schule Flöte und klassische Gitarre gespielt. Aber ich mag die Art nicht, wie einem das in der Schule beigebracht wird. Selbst wenn man wirklich klassische Stücke lernt, sind es doch immer nur die sehr bekannten und 'gewöhnlichen'. Also habe ich versucht mich selbst wieder zu ent-lehren und sicher zu gehen, dass ich keine Noten lesen kann und die Musik mehr aus meinem Kopf kommen lasse. MP: Hat es dir geholfen zu wissen, wie ein klassisches Stück aufgebaut ist? Babybird: Ja. Besonders mein Vater hat wahnsinnig viel Klassik gehört, also ist das ganz sicher die erste Musik, mit der ich in Berührung gekommen bin. Und ich weiss auch sehr genau, wann der Höhepunkt kommen sollte und wo man anfangen muss. Es hat mich sicher beeinflusst. MP: Wie würdest du beschriben, was du machst? Babybird: Oh Gott! Ich würde einfach sagen, dass es die einfachste Musik ist, die ich machen kann. Und das macht es natürlich immer den Leuten zugänglich. Ich kann keine Noten lesen und ich weiss nicht, wie das geschrieben wird, also mache ich es so einfach, wie ich nur kann. Ich glaube ich mag generell diese Art von simpler Musik: wie HipHop, afrikanische Folkmusik und alles, was ganz unglaublich einfach ist - und meist von einer einzigen Person gemacht wird. MP: Als ich dein neuestes Werk "Bugged" gehört habe, hat es mich sehr an Ron Sexsmith erinnert. Es ist dieselbe Art, Geschichten zu erzählen. Und er meint auch, es sei am schwierigsten, einfache Sache zu erzählen... Babybird: Ja absolut! Ich kenne Ron Sexsmith nicht, aber es ist ein guter Vergleich - wenigstens haben mir das Freunde gesagt. Vielleicht sollte ich ihn mir also einmal anhören. Es ist so einfach total technisch und sehr kompliziert zu sein. Ich glaube wirklich es ist leicht das zu machen und die Leute damit zu verwirren. Ich glaube auch, dass es viel schwieriger ist, einfach zu sein - und genau das versuche ich. MP: Wie sehr betrifft dich dieses Phänomen 'Britpop'? Beziehst du das auch auf dich? Babybird: Nein, ich glaube, wir wurden nie als Britpop gesehen. Vielleicht in Europa und dort taucht das auch immer als Frage in Interviews auf. Ich verstehe auch die gedankliche Verbindung, aber hier in England waren wir wirklich nie ein Teil davon. Aber eigentlich wäre ich lieber ein Teil des Britpop, als generell ein Teil der Popmusik, die uns gerade umgibt. Besonders die britischen Charts sind so viel grauenvoller als die europäischen. Obwohl es sein kann, dass man sich in jedem Land darüber so beklagt... MP: Hast du generell etwas gegen Popmusik - etwa wie ABBA sie gemacht hat? Babybird: Nein, es geht mehr gegen Bands wie 'Steps'. Ich weiss nicht, wie bekannt sie auf dem Kontinent sind, aber sie kopieren ABBA auf eine Art, dass man sich fragt "wie tief kann man noch sinken"? Es ist schrecklich, weil man hier in England keinen Hintergrund, wie noch vor ein paar Jahren, hat. Diese Musik kommt aus dem Nichts, stürmt die Charts und verschwindet genauso schnell wieder. Und das passiert immer wieder, nichts bleibt mehr übrig auf dem man aufbauen kann. MP: Andererseits haben mich Oasis dazu gebracht, wieder meine alten Beatles Platten herauszuholen... Wo siehst du denn deine musikalische Zukunft? Babybird: Nun, ich kann keine normalen, 'geraden' Texte schreiben. Also egal was wir machen, das Einzige, was wirklich 'populär' ist, ist der aktuelle Sound unserer Musik. Das liegt daran, dass die Musik eben sehr, sehr simpel ist und das macht sie so eingängig und auch erfolgreich. Aber wenn es dann um die Texte geht, werde ich immer realistische und ungewöhnliche Sachen schreiben... Und hoffentlich wird uns nie jemand für den Mainstream halten. MP: Kannst du noch ganz normal Musik hören oder analysierst du schon jeden einzelnen Ton? Babybird: Oh, gute Frage. Wenn es ein tolles Lied ist, versuche ich schon, es ganz zu lassen oder nicht zu analysieren. Aber oft, besonders wenn ich im Studio bin, versuche ich auch herauszufinden, wie es gemacht wurde. Dann höre ich schon anders hin. MP: Wie war das früher? Es gibt ja zwei Gruppen: eine hört mehr auf die Musik und die andere mehr auf den Text. Zu welcher hast du gehört? Babybird: Es ist schon komisch, weil ich Rap und HipHop sehr gerne mag. Und dies ist ganz offensichtlich Musik mit ziemlich vielen Worten drin. Also bewundere ich diese Art von Texten in einem Lied - wenn es gut gemacht ist. Und ziemlich oft ist es das nicht. Aber wenn es gut ist, liebe ich es! Abgesehen davon mag ich jede andere Art von Musik!!! Ich höre wie gesagt eine Menge Klassik, und viel Filmmusik - aber nicht den Soundtrack sondern die orchestrale Fassung. Es ist also entweder mit ganz viel Text, oder ganz ohne. MP: Kannst du uns ein paar Worte zu den einzelnen Songs auf dem Album sagen? Babybird: Natürlich... The F-Word Nun, hier geht es hauptsächlich um das Wort 'FUCK'. Es spielt eigentlich mit der Vorstellung von den Normen der Leute: Tatsächlich verwenden ganz viele Menschen dieses Wort und Leute - besonders in den Medien - stören sich immer noch daran. Wir haben da so eine Linie, ihr vielleicht auch, ob ein bestimmtes Wort vor neun Uhr abends gesendet werden darf. Und dabei gibt es eigentlich so viel mehr Dinge, um die man sich Sorgen machen sollte, als um dieses 'F-Wort'. Getaway Es geht um Fluchten... Ich schreibe immer über das Entkommen, weil Musik eine Flucht ist und die Leute eigentlich nicht schwierige Texte hören wollen. Musik ist aber dazu da, um gehört zu werden, um sich selbst zu verlieren. Es geht also in dem Song um mich und wie ich in Urlaub fahre und in der Sonne liege und mich die ersten zwei Tage schuldig fühle, weil ich nicht arbeite. Ich kann nicht loslassen, aber ich tue es dann doch nach einigen Tagen und dann fühle ich mich schuldig, dass ich nicht doch etwas tue. Out Of Sight Da geht es darum zu sehr zu beschützen, zu sehr zu beobachten und um das Loslassen. Jemanden auch den eigenen Weg gehen zu lassen. Wenn ich Kinder hätte, würde ich gerne ein Mädchen haben. Keine Ahnung warum - aber vielleicht ist es ja das, was Väter immer sagen. Ich glaube jedenfalls, dass ich über solche Themen schreiben kann. Ich kann schliesslich auch über Religion schreiben, ohne religiös zu sein - aber ich könnte es eben sein. Und ich könnte auch ein Vater sein, also kann ich auch darüber schreiben. Fireflies Ich habe im Alter zwischen vier und acht auf Neuseeland gelebt. und dort habe ich kleine Fliegen und Käfer in einem Glas gehalten. Ich habe meine alten Tagebücher, aus der Zeit als ich sieben Jahre alt war, gelesen und es hat mich inspiriert. Wenn Jungs noch sehr, sehr klein sind, wollen sie alles kontrollieren - wahrscheinlich mehr als Mädchen. So habe auch ich die Fliegen in diesem Glas gehabt um sie zu kontrollieren. Eyes In The Back Of My Head Oh, da geht es um Wachsamkeit. Es geht darum, vorwärts zu gehen und dabei immer ein Auge auf die Leute zu haben, die hinter dir sind. Till You Die Ich schreibe immer düstere Liebeslieder und ich spiele gerne damit. Ich glaube nicht, dass es 'normale' Liebeslieder sind. Und es hat eine doppelte Bedeutung, dies 'Ich liebe dich, bis zum Ende'. Es ist schon recht düster, weil es bedeuten kann, dass die Person, über die ich schreibe, dafür sorgt, dass die andere immer anwesend ist. Und es hat eine sehr romantische Bedeutung und meint 'Ich werde dich lieben, bis ich alt bin'. Wave Your Hands So ähnlich wie 'Getaway'. Kennst du diese 'Schafsmentalität' wo alle das gleiche machen? Hier spiele ich mit der Vorstellung ein Individuum zu sein. All I Want Hm, das war mein Versuch leicht sarkastisch und ironisch zu sein. Dieses 'Alles was ich will ist Liebe' Ding. Offensichtlich will jeder Liebe und das ist der immer wiederkehrende Wunsch - aber es gibt in der Liebe noch so viele andere Schattierungen... Und es geht auch darum, jemanden nicht zu verändern. The Way You Are Das gleiche. Diese beiden Lieder 'The Way You Are" und 'All I Want' gehören irgendwie zusammen. Da gibt es eine Textzeile, wo es heisst 'Ich kann dich nicht verändern' und es geht darum, es auch nicht zu wollen, jemanden zu verändern. One Dead Groove Das ist eine Metapher dafür, in einer Bewegung oder einem Moment gefangen zu sein. Wie am Boden angenagelt zu sein und nicht davon loszukommen, jeden Tag das selbe zu machen. Es geht wieder um Flucht. The Xmas God Of New York (Hidden bonus track) Oh, ich stehe total auf New York. Ich mag eine Menge schräger Sachen, die total übertrieben sind. Und Weihnachten sollte eigentlich ein religiöses Fest sein. Aber geh' einmal zu der Zeit nach New York und du würdest nicht einmal vermuten, dass es sowas wie Religion gibt. Eigentlich ist es eine sehr heidnische Sicht, aber New York ist wie ein enormer Weihnachtsbaum und das mag ich irgendwie... MP: Was mich erstaunt ist, dass du offensichtlich schon mit sieben Jahren Tagebuch geführt hast! Babybird: Oh, es war total schlicht. Meine Eltern wollten, dass ich schreiben übe weil ich Linkshänder bin und das in Neuseeland als etwas gaaaaanz Schlimmes angesehen wurde. So habe ich vorgeben müssen, dass ich mit meiner rechten Hand schreibe. Das haben sie erst einige Jahre später herausgefunden weil ich es da schon einige Zeit so gemacht habe und dann haben sie es 'korrigiert'. Ziemlich seltsam... ich schreibe immer noch mit links, kann es aber auch mit der anderen Hand. Und ich spiele merkwürdigerweise mit rechts Gitarre obwohl ich sonst Linkshänder bin. MP: Können wir noch ein wenig zur Musik zurückkehren, die du dir privat anhörst? Babybird: Es gibt da einen Komponisten namens Avro Part, ich bin mir nicht sicher ob er Ungar ist. Also entweder er ist Ungar oder Tscheche. Und er schreibt eine ganz unglaublich einfache Art von klassischer Musik und gregorianischen Chorälen. Und er ist jemand, den ich immer erwähne, weil er einfach brilliant ist. Sonst höre ich mir noch ziemlich viel Soundtracks an. Die letzte Platte, die ich mir gekauft habe war sicher 'American Beauty' - aber nicht die Filmsongs, sondern die orchestrale Fassung. Und dann noch die 'Hanson Boy Modelling School': das sind Typen von De La Soul und Molokko und diverse andere, die mitgearbeitet haben. Es ist ganz unglaublich vielfältig. Und ich mag auch Bob Dylan sehr - irgendwie entdecke ich ihn recht spät und wieder ist es wegen der Einfachheit... MP: Abgesehen davon, Musiker zu sein - was bewegt dich momentan so? Babybird: Abgesehen vom Zustand der britischen Musik? Eigentlich denke ich da nicht allzuviel drüber nach - es ist einfach der Beruf, den ich ausübe. Gerade ist in London eine gute Sache passiert: wir haben einen neuen Bürgermeister namens Ken Livingston und ich glaube schon, dass sich jetzt einige Dinge ändern werden. Der Verkehr in London ist ziemlich arg, wir haben fürchterliche Staus und all' das. Ich rechne also damit, dass diese Wahl direkte Auswirkungen auf mein Leben haben wird und das ist gut so! Ich bin tatsächlich zur Wahl gegangen - etwas was nicht viele gemacht haben - und bin deshalb total stolz darauf. Und ich glaube Tony Blair hat ganz viele Menschen enttäuscht und noch nicht gemacht, was er versprochen hat. Andererseits liegt das sicher daran, dass Margaret Thatcher und die Konservativen so ein Chaos hinterlassen haben, dass er erst einmal Ordnung schaffen muss, bevor er damit anfange kann Versprechen zu erfüllen... MP: Und wenn jetzt die berüchtigte Zauberfee mit ihren drei Wünschen auftauchen würde... Babybird: Ach mein erster Wunch wäre eine Million weiterer Wünsche, dann würde ich die anderen zwei nicht mehr brauchen. Ist doch ganz einfach, oder? MP: Wie wäre für dich das perfekte Partysetting? Babybird: Überall am Meer, an einem tollen Strand. Jawoll! Auf Decken sitzend mit viel Rotwein und Essen... Und es sollte warm sein, also definitiv nicht in England. MP: Was planst du in nächster Zukunft? Babybird: Nun, ich bin nicht die Art von Person, die zu weit nach vorne schaut. Im Moment proben wir und dann geben wir einige Konzerte. Also lerne ich hauptsächlich die Texte auswendig und überlege mir, wie wir uns auf der Bühne präsentieren sollen... MP: Dann wünsche ich dir dafür Glück und danke für das Interview...
© MEGALOMANIAC PRODUCTIONS 2000 | 07 Mehr Informationen findet ihr auf Babybird's homepage: http://www.babybird.co.uk oder ihr besucht die Site seiner Plattenfirma für Einzelheiten über anstehende Touren, Veröffentlichungsdaten, etc.: http://www.roadrunnerrecords.com Gewinnspiel! Die Plattenfirma hat sich immer noch nicht entschliessen können, was sie uns zur Verlosung überlässt, also müsst ihr einfach auf eigenes Risiko mitmachen... hier |