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Joakim Montelius: Wir haben Mitte der 80er angefangen zusammen Musik zu machen. Nachdem wir alle schon vier, fünf Jahre in diversen Bandprojekten gewerkt hatten, haben wir mit Covenant an der Uni begonnen. Aus irgendwelchen seltsamen Gründen sind wir alle in unserer Universitätsstadt quais nebeneinander untergebracht worden. So sind wir zusammengekommen. Tatsächlich haben wir eines unserer Schlafzimmer dort zu einem Studio umgebaut. Und 1992 haben wir unser erstes Lied auf einer Compilation eines schwedischen Labels veröffentlicht. MP: Wie alt wart ihr denn da? Ihr seht doch jetzt noch so unglaublich jung aus... JM: Ich bin jetzt 30 - und Clas ist 33. Also waren wir damals 20 Jahre alt. Wo war ich? Genau: wir wurden also eingeladen auf dieser Compilation zu erscheinen. Und nachdem wir unseren Song abgeliefert haben, hat uns die Plattenfirma gefragt, ob wir nicht eine ganze CD aufnehmen wollen. Natürlich haben wir "Ja" gesagt. So ist 1994 unsere erstes Album erschienen. MP: Wart ihr schon befreundet, bevor ihr mit der Band angefangen habt? JM: Oh ja. Wir kennen uns seitdem wir 14 oder 15 sind... MP: Und wie ist es dann, immer noch auf Tour oder im Studio zusammen zu sein? JM: Einfach unglaublich spassig. MP: Nervt ihr euch denn nicht gegenseitig? JM: Ja, tun wir - aber wir wissen, wie wir damit umgehen müssen. Ich meine, natürlich gibt es auch Kämpfe. Es ist wie in jeder Beziehung - ob das jetzt eine Freundschaft oder Liebe ist - es ist das gleiche. Und in einer Band zusammen zu spielen und befreundet zu sein, ist schon eine sehr einzigartige Kombination. Ich glaube es gibt sehr wenig Bands, die so "freundlich" sind, wie wir. MP: Ihr fühlt euch also als "Team". Es gibt keinen, der Chefallüren hat? JM: Nun, wir haben verschiedene Aufgabengebiete. Denn du musst Arbeit und Freizeit trennen. So ist Eskil der Sänger, er ist der Musiker, er kann die Instrumente spielen. Clas und ich - nun, ich habe immer noch Schwierigkeiten die weissen und schwarzen Tasten auseinanderzuhalten. Ich bin nicht besonders an Notenschreiben interessiert. Man kann sagen, Eskil macht die Musik und ich mache die Geräusche. Und Clas ist der Richter. Er kommt ins Studio und sagt "Nun, dies ist nicht gut und das ist gut. " Und dann fangen wir an zu diskutieren. MP: Wo siehst du deine musikalischen Wurzeln? JM: Ich bin mit Hippiemusik aufgewachsen. Meine Mutter war ein Hippie. Also habe ich viel Pink Floyd gehört. Aber das erste Mal, dass ich von Musik wirklich einen Kick bekommen habe, war, als ich zum ersten Mal Kraftwerk gehört habe. Ich erinnere mich noch, dass ich damals acht Jahre alt war. Und ich war in einem Automuseum mit meiner Schulklasse. Also muss es so '77 oder '78 gewesen sein. Damals war Video noch ein total neues Medium. Und dort lief gerade ihr Song "Radioaktivität" auf einem Bildschirm. Für mich war das ein "JA! Genauso muss Musik klingen." Ich habe das mit meinem ganzen Körper gefühlt. Ich habe dann weitere sieben Jahre gebraucht um zu verstehen, was das für Musik war. Also mein tiefster Eindruck war Kraftwerk. Für Eskil war es wohl Human League... Dieser Elektrosound und das New Wave-Ding in den späten 70ern und frühen 80ern. Wir sind alle von Kindheit an Musikfreaks und haben immer jede Art von Musik gehört. Eskils Vater liebt auch noch Klassik. Der hat bei sich zu Hause 24 Stunden am Tag Musik gehört. MP: Also war es für dich von Anfang an klar, dass es elektronische Musik sein wird... JM: Ja, absolut. Es ist absichtlich so. Wir haben uns wirklich ausgesucht, genau diese Art von Musik zu machen, weil wir die Art, wie sie klang, gemocht haben. Wir haben nicht Musik gewählt, einfach um Musik zu machen. Wir wollten Musik auf diese ganz spezielle Art machen. MP: Gibt es eigentlich Unterschiede in eurem Publikum, in der Art, wie sie mitgehen und mitfeiern? JM: Kleine Unterschiede ja, aber keine besonders grossen - nicht einmal zwischen Europa und den Vereinigten Staaten. MP: Und da es euch schon eine Weile gibt, haben euch die Fans aus Anfangstagen begleitet? Sind sie mitgewachsen? JM: Ja, und es ist wirklich Klasse für Konzerte nach Deutschland zurückzukommen. In manchen Orten sieht man im Publikum Gesichter, die man schon ein paar Mal vorher gesehen hat. Es ist, als ob man zu Freunden zurückkommt. Du stehst einfach da und sagst "Hallo". MP: Ihr habt also Kontakt zu euren Fans? JM: Ja, wir versuchen es (lächelt). Wir geben unser Bestes. Wir feiern, reden miteinander und haben Spass. Musik ist eine Art von Kommunikation und zu kommunizieren hat natürlich eine tiefe Bedeutung. Also versuchen wir es so oft wie möglich zu machen. Wir wären nichts, ohne das Publikum. Es ist das Publikum, das eine Band ausmacht. Wenn niemand mehr zu den Auftritten käme, hätten sie keinen Sinn mehr. MP: Wie geht ihr vor, wenn ihr einen Song schreibt? Habt ihr eine Melodie oder einen Soundeffekt im Kopf? Gibt es ein Gefühl, das ihr ausdrücken wollt? JM: Normalerweise fangen wir zusammen an. Wir versuchen einen Loop zu finden oder irgendein Thema - es kann eine Melodie sein oder etwas Gesampeltes. Wir klauen ziemlich häufig Sachen. MP: Aber ihr würdet nicht so ungeschickt sein, wie "The Verve" mit diesem Sample von den Rolling Stones, oder? Sich erwischen lassen und ein Vermögen an Strafe zahlen.... JM: Nein, und was die gemacht haben war kopieren, nicht klauen (lacht). Ich glaube nicht, dass irgendjemand etwas erkennen würde, was wir gesampelt haben. Es ist eine prima Möglichkeit um eine gute Idee zu bekommen: Musik zu hören und zu sagen "Ja, das ist brilliant, es ist grossartig." MP: Was für Musik hörst du dir denn momentan an? JM: Im Bus hören wir gerne "Kellis" und ihr neues Album (Anm.: Smash-hit 'I hate you so much right now') - das ist total cool. Dann eine Menge Disco und Dance Musik. Für einen Musiker ist es die interessanteste Musik zum Zuhören. Du bekommst davon so viele neue Ideen. Dann die Nine Inch Nails und ihr neues Album ('Fragile'), TLC, Whitney Houston. MP: Whitney Houston? Nun, das ist ein wenig ungewöhnlich. JM: Ja, kann schon sein. Eigentlich denke ich, dass Drama und Verrücktheit eine grosse Hilfe für die Musik einer Band sein können. Womit ich nichts anfangen kann sind Jazz und HipHop. Da gibt es Sachen, da habe ich echt Probleme, sie zu verstehen. Ich bin ein weisses Mittelklasse-Kind aus Schweden. Das ist kein Punkt, von dem aus du HipHop verstehen kannst. Aber ich bleib dran. Ich will lernen, wie es funktioniert (grinst). MP: Dann ist es dein Ziel, mit deiner Musik die Leute zum Tanzen zu bringen? JM: Nein. Wir wollen, dass die Leute bei uns etwas fühlen. Nämlich Leidenschaft. MP: Ist es eine faire Frage, wenn ich wissen will, welches dein Lieblingslied auf "United States Of Mind" ist? JM: Natürlich war ich dabei, als die Platte gemacht wurde. Also liebe ich eigentlich wirklich jeden einzelnen Song davon. Aber wenn du mich nach meinem eigenen, privaten Lieblingslied frägst, dann ist es "Still Life". MP: Reicht es euch - finanziell gesehen - nur Platten zu verkaufen, oder hilft touren auch? JM: Nun, Touren machen immer noch den Grossteil unseres Einkommens aus. Ohne zu touren würden wir wahrscheinlich nicht so leben können, wie wir es tun. MP: Heisst das jetzt, dass ihr von der Musik leben könnt, oder habt ihr auch Brotberufe? JM: Eskil und ich sind Vollzeit-Musiker. Und Clas ist Computerprofi. Er liebt seinen Beruf wirklich und verdient sehr viel Geld. Er mag die Idee genug Geld zu haben. Das ist auch der Grund, warum Eskil und ich so viel alleine machen. Er hat wirklich keine Zeit - Clas arbeitet bis zu 12 Stunden täglich und er will es so. Und er ist sehr geschickt im Umgang mit Geld. Aber natürlich haben wir unseren Manager. Anders würde es auch gar nicht funktionieren. Musik zu machen, ist Teamwork. Und von der Musik zu leben, ist noch viel mehr Teamwork. MP: Wie ist das für einen Musiker mit diesem wahnsinnigen Geschäftsaspekt? Habt ihr ein gutes Team oder wurdet ihr während eurer Karriere enttäuscht? Ihr habt ja ziemlich früh angefangen und als Anfänger tappt man in manche Fallen... JM: Nun, ich denke wir haben einen echten Vorteil dadurch, dass wir schon so alt sind - und dass es uns schon so lange gibt. Wir sind nie in irgendwelche Fallen getappt. Und unser Team ist das wahrscheinlich Beste in Europa. MP: Wenn du eine grosse Geldsumme gewinnen würdest, käme dann der Spruch "Wow, jetzt kann ich alles tun, was ich will"? JM: Ich würde genau das machen, was ich jetzt auch mache - ganz egal, wie viel Geld ich hätte. MP: Kann ich dich nicht einmal mit den berühmten drei Wünschen in Versuchung führen? Gibt es nichts, was du gerne hättest, erreichen würdest? JM: Hm, meine drei Wünsche wären dann: Weltfrieden als Nummer eins. Die Möglichkeit für Zeitreisen, als Nummer zwei. Und der dritte wäre einfach eine gute Zeit für jeden. Keinen Hunger, keine Angst. MP: Wenn du jetzt einen existierenden Film mit deiner Musik untermalen könntest, welcher Film wäre das denn? JM: Eine Kombination mehrerer Filme, wie "2001" und diesem Hippiefilm mit Peter Fonda... ach genau: "Easy Rider". Und "Star Wars" und "Der grosse Schlaf". MP: Wie wichtig ist es dir, eure Musik auf der Bühne umzusetzen? Liegt dir viel an eurer Band als Live Act? JM: Tja, wir machen alle unsere Sachen im Studio. Also ist unsere Musik sehr technisch, voller Computer. Deshalb versuchen wir so wenig wie möglich zu machen, wenn wir auf die Bühne gehen. Ein Album aufzunehmen bedeutet sechs Monate Arbeit. Und es ist sehr, sehr anstrengende Arbeit. Weil wir unsere ganze Seele in die neue Produktion stecken. Wenn wir dann auf Tour sind, machen wir es uns so leicht wie möglich. Wir ziehen einfach unsere Anzüge an, drücken auf "Start" und haben eine Stunde lang Spass. MP: Wie siehst du die musikalische Entwicklung vom letzen Album ("Europa") zum neuen ("United States of Mind")? Was hat sich für dich geändert? Geht ihr immer noch in die selbe Richtung? JM: Wir sind immer in die selbe Richtung gegangen. Wir haben immer so schnell gelebt, wie wir konnten. Immer. Aber wir wechseln manchmal die Fahrspuren. Oder treten einen Schritt zur Seite - aber bleiben immer in der gleichen Richtung. Ich meine damit, dass "United States of Mind" alles ist, was "Europa" nie war. Wir haben mit "Europa" versucht, diese Platte zu machen und "Europa" war gut. Aber ich denke, es ist uns nicht richtig gelungen. Deshalb glaube ich auch absolut, dass "United States of Mind" unsere Version von guter Popmusik im Jahre 1999 ist. MP: Wie findest du andere schwedische Bands, wie Tiamat? JM: Tiamat sind sehr gut. Ich mag sie sehr - ich habe zwar keine Ahnung, wie alt die sind, aber ich denke sie sind dieselbe Generation wie wir. Ich bin Johan nur ein Mal begegnet, auf dem Zillo Festival in Deutschland und ich finde ihn wirklich cool. Tiamat sind gut, weil ich ihre Einstellung mag. Schweden neigen dazu, diese sehr nette Offenheit Musik und anderen Sachen gegenüber zu haben. Und ich glaube, dass Tiamat dafür ein sehr gutes Beispiel sind, weil sogar als sie noch diesen Satanisten-Metal gemacht haben, hatten sie diese nette Einstellung. Und sie sind, glaube ich, sehr technisch. Ich habe in einem schwedischen Tontechniker-Magazin über Johan gelesen. Er verwendet sehr viel Hi-Tech Sachen um seine Art von Musik zu machen. Und ich respektiere das total. Aber er würde mich sicher nicht mehr wiedererkennen. MP: Was hältst du von MP3? Würdest du Soundfiles ins Internet zum kostenlosen Download stellen oder findest du, ihr habt ein Recht auf das Geld, weil es ja eure kreative Anstrengung war? JM: Oh, das ist wirklich verzwickt. Natürlich wollen wir Geld für die Dinge, die wir tun. Wenn wir kein Geld mehr dafür bekommen würden, könnten wir sie nicht mehr machen. Wir müssten etwas anderes tun, um unsere Miete zahlen zu können. Deshalb glaube ich auch, dass dieses MP3-Format sehr gefährlich für die Musikindustrie ist. Aber dann denke ich mir wieder, dass es auch wertvoll sein kann, weil das Business schon so verfault ist. Ich meine all' dieses Geld - wohin geht es? Es geht natürlich zu reichen Leuten und macht sie noch reicher und reicher. Also ist die Herausforderung sehr gut. Der Preis für CDs ist einfach krank! MP: Ja, wenn man bedenkt, wie billig sie in der Produktion sind... JM: Im Grunde gebe ich die Hälfte meines Geldes für den Kauf von CDs aus. Es ist hirnrissig! MP: Natürlich habe ich mir auch eure Homepage vor dem Interview angesehen. Glaubst du, ist es wichtig für eine Band, im Web präsent zu sein? JM: Ich denke absolut, dass das Internet der Schauplatz der Zukunft sein wird. Ich meine wirklich! Es ist nicht nur eine Worthülse, es ist wahr! Ich bin jeden Tag mindestens drei Stunden online. Es ist einfach unglaublich innerhalb von einigen Minuten Kontakt zu Leuten überall auf der Welt zu haben. Es macht auch die Welt so viel kleiner. Und da wir von Wünschen geredet haben - ich denke Weltfrieden und weltweite Zusammenarbeit werden durch das Internet sehr gefördert. Ich finde, wenn du überall Freunde hast, dann will doch niemand mehr Krieg. MP: Joakim, danke für das Gespräch...
© MEGALOMANIAC PRODUCTIONS 2000 | 04
Wenn ihr euch die offizielle Homepage von Covenant angucken
wollt, dann tut das hier: http://www.covenant.dk
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