luetke
intro

Schon mit ihrem Debutalbum "The Great Subconscious Club" konnten sie international Fuss fassen und sich eine treue Fangemeinde erspielen. Das kontroversielle "Not An Addict" vom 96er "Paradise In Me"-Album rückte K's Choice immer mehr ins Rampenlicht und an die Spitze der Modern-Rock-Bands. "Cocoon Crash", der 1998 aufgenommene Nachfolger, war nicht minder erfolgreich und zementierte den Platz an der Sonne. Die Belohnung waren ausverkaufte Konzerte von Israel bis Australien und auch der Sprung in die USA glückte. Dort gab es sogar Auftritten in Fernsehserien (Buffy), Werbekampagnen (Levi's) in der Vogue und im Thriller "Wild Things", wo Sarah für die ätherischen Gesangsparts verantwortlich war.

Gert Bettens, dessen Idee von Größenwahnsinn ist, einmal in einem riesigen Stadion vor hunderttausenden von Fans zu spielen, lag mit MEGALOMANIAC PRODUCTIONS auf der Wiese und erzählte brav über das Tourleben, Hygiene, Studium, Ehe und das Berühmtsein.

Megalomaniac Productions: Heute ist der erste Tag eurer Tour, wie fühlst du dich?

Gert Bettens: Ich bin aufgeregt, weil wir wieder 'On the road' sind. Unsere letzte Tour ist etwas mehr als vier Monate her. Ende letzten Jahres hatten wir einige grössere Shows in Belgien und Holland - und ich glaube sogar eine hier in Österreich. Wir freuen uns tierisch darauf wieder spielen zu können.


lineup

MP: Wird das Spielen während einer langen Tour eigentlich zur Routine?

Gert: Nach einer langen Tour auf jeden Fall. Es ist irgendwie störend, weil du zwar jede Nacht dein Bestes geben möchtest, es aber andererseits manchmal nur eine weitere Show am Ende einer langen Tour ist. Wann immer dieses Gefühl aufkommt, wissen wir, es ist an der Zeit mit touren aufzuhören (lacht). Manchmal ist es einfach hart wenn du zum 400sten Mal "Not An Addict" spielst (macht ein sehr eigenartiges Geräusch). Bei den Proben letzte Woche ist uns aufgefallen, das wir eben bei diesem Song die meisten Fehler machen, weil sie schon so Routine sind, das jeder denkt er kann nebenbei ein Buch lesen.

MP: Spielt ihr gerne auf Festivals?

Gert: Ich bevorzuge auf jeden Fall Festivals, schon allein wegen dem Wetter und der Möglichkeit am Nachmittag im Freien zu sitzen. Wegen der vielen verschiedenen Bands die man sich anschauen kann. Da ist auch etwas Tolles an kleinen Clubs, aber nur wenn sie nett sind, und unglücklicherweise sind die meisten der kleinen Clubs ziemlich schmutzig. Du kannst also nur selten ins Badezimmer, ohne dir Gedanken machen zu müssen. Für viele Club-Besitzer scheint "Hygiene" ein Fremdwort zu sein ... ich weis, das ist sehr "un-rock'n'roll" (lacht).

MP: Demnach ist euer Tourbus sauber?

Gert: Ja! Das könnte sich natürlich in den nächsten Wochen ändern.

MP: Wie verbringt ihr die Zeit am Bus? Musik oder Playstation?

Gert: Hinten im Bus gibt es eine Playstation und man kann sich auch Videos anschauen. Aber die meiste Zeit hören wir Musik. Einer fragt: "Wollt ihr dieses Album hören" und ein anderer antwortet "Nein!!!" - aber wir hören es uns trotzdem an (kichert). Wir sind ziemlich viele im Bus und manchmal ist es schwierig sich durchzusetzen, aber jeder hat seinen Kopfhörer. An häufigsten hören wir wirklich Musik und reden darüber. Jeder hat Bücher dabei und versuche auch ein wenig zu malen. Jeder macht halt was anderes. Sarah versucht gerade spanisch zu lernen. Sie hat auch aus irgendwelchen Gründen mal Elektrizität gelernt - keine Ahnung wozu.

MP: Versucht ihr an einem freien Tag auch mal was von der Stadt, in der ihr gerade seid, zu sehen?

Gert: Ja, dann versuchen wir so früh wie möglich in die Stadt zu kommen um etwas zu sehen und auch ein wenig zu shoppen. Aber an Tagen wie heute, wo noch der Soundcheck ansteht, schaffe ich es nur bis dort drüben hin, wo die Pferde herumrennen. (Anm.: er meint die Wiener Trabrennbahn). Es ist manchmal frustrierend, dass wir jetzt schon das dritte Mal in Wien sind und keine einziges Mal waren wir in der City.

MP: Du malst - bist du für die Covers zuständig?

Gert: Ja, aber nicht für das erste und das letzte. Für "Paradise In Me" und "Cocoon Crash" habe ich die Bilder gemalt und danach setzte ich mich mit jemandem zusammen der von Grafik mehr versteht als ich.

MP: Aber du hast doch eine Zeitlang Grafik studiert?

Gert: Ja, aber nie beendet! Folglich bin ich nicht so vertraut mit Computerprogrammen und der richtigen Typo-Gestaltung. Eine Menge Leute sind da wesentlich besser als ich. Ich mache das immer mit dem gleichen Typen, einem belgischen Grafiker und Drummer. Wir versuchen das Erscheinungsbild des Albums zu unserem Ding zu machen, also ist immer ein kleines Foto das Sarah gemacht hat und eines meiner Bilder drauf.

MP: Wie sieht es mit Videos aus? Du hast auch mal Animationsfilm studiert?

Gert: Immer wieder denke ich daran einen animierten Film für eines unserer Videos zu machen, aber es ist viel Arbeit und wann immer ich spärliche Freizeit habe, möchte ich sie nicht mit solchen Dingen verbringen. Ich geniesse es nach wie vor zu malen, aber es ist ja nicht ein Bild - es sind 16.000 Bilder und danach ist mir gar nicht. Das ist auch einer der Gründe warum ich das Studium beendet habe, es war zuviel von einer Sache - wann immer ich eine neue Idee hatte, musste ich noch 500 Bilder für den alten Film zeichnen - ich hasse das! Gestern habe ich den neuen Tool-Song "Schism" gehört ... ich denke die Jungs haben wirklich die coolsten Videos.

MP: Was hat euch zur letzten CD inspiriert? Sie unterscheidet sich doch ziemlich vom alten Material - wir vermissen die schnellen Gitarren.

Gert: Es hat definitiv eine andere Grundstimmung und viele Leute waren überrascht, dass dies unser nächster Schritt war. Aber für uns macht es wirklich Sinn. Wir schreiben Songs und versuchen sie - so gut wir können - aufzunehmen. Diesmal haben wir bei den Proben, noch bevor wir überhaupt im Studio waren, bemerkt das es ein vollkommen anderes Album wird. Es gibt weniger verzerrte Gitarren, es ist weicher und es hat nicht den gleichen Drive wie "Cocoon Crash". Wir haben die Songs so athmosphärisch wie möglich klingen lassen. Unsere US-Plattenfirma war ein wenig enttäuscht, weil sie was anderes erwartet haben. Gerade jetzt, wo harte Bands wieder im Scheinwerferlicht stehen, habe wir ein so weiches Album gemacht. Aber man muss einfach tun, was man tun muss.

MP: Wie sieht eure Zusammenarbeit aus?

Gert: Entweder schreibt Sarah etwas komplett und ich verändere ein paar Dinge oder umgekehrt. Auf dem letzten Album hat Sarah die meisten Stücke komponiert und ich habe nur ein paar Arrangements beigesteuert. Es gibt insgesamt nur zwei Songs bei denen Sarah den Text und ich die Musik gemacht haben. Einer davon ist "I wanna meet the man" - kein allzu grossartiges Lied...

MP: Wie sieht es mit dem Input der anderen Bandmitglieder aus?

Gert: Sie steuern dauernd bei Proben oder im Studio etwas bei, aber wenn wir noch an den Songs arbeiten sind es nur wir beide. Es ist schon schlimm zu zweit und ich möchte das nicht mit fünf Leuten machen müssen.

MP: Was machen die anderen während dieser Zeit? Gibt es Nebenprojekte oder hängen sie nur gelangweilt herum?

Gert: Einigen könnte es fad werden. Die meisten versuchen mit anderen Bands ein paar Gigs zu spielen oder reparieren etwas in ihrem Haus. Es gibt sicherlich eine Phase wo sie nicht so nah an dem dran sind was Sarah und ich tun, aber das macht Sinn, denn unsere Lieder sind sehr persönlich, wie ein Brief den man schreibt - etwas was du für dich alleine machen möchtest. Ich arbeite gerne mit meiner Schwester weil wir den gleichen Musikgeschmack haben, sicher etwas verschieden, aber wir kennen den anderen musikalisch und persönlich sehr gut.

MP: Was ist das Geheimnis, eine Band so lange zusammenzuhalten?

Gert: Es gibt zwei wichtige Dinge: Du musst die Musik mögen, die du machst und es müssen wirklich gute, enge Freunde sein. Die anderen sind Freunde, aber in unserer Freizeit sehen wir uns nicht allzu oft. Manchmal schmeisst einer ein Barbecue und lädt uns ein. Am Ende einer dreimonatigen Tour hast du die anderen über, aber nach einer Weile beginnst du sie wieder zu vermissen. Es ist wie eine Ehe: Du weißt, du liebst dich - aber ab und zu könntest du den anderen einfach erwürgen ... nun, ist wohl doch nicht wie eine Ehe! Ich hatte noch nie das Bedürfnis meine Frau zu würgen (lacht).

MP: Was ist mit der Live-CD, die nur für die Mitglieder eures Fanclubs erhältlich ist?

Gert: Wir versuchen jedes Jahr etwas für unsere Fans zu machen und Frank, der Leiter des Fanclubs, organisiert meistens in Brüssel eine Art Event, zu der Leute aus der ganzen Welt kommen und sich eine K'c Choice-Show - nur für sie - ansehen können. Da versuchen wir musikalisch andere Dinge: beispielsweise Lieder auf der Akkustik-Gitarre spielen, für die wir normalerweise eine E-Gitarre nehmen. Es gibt immer ein kleines Bühneninterview und eine Autogramm-Session. Die Grundidee ist, dass Fans andere Fans treffen können. Viele haben sich über das Forum unserer Homepage kennengelernt und können sich jetzt das erste Mal sehen. Möglicherweise machen wir Ende des Jahres ein anderes Live-Album, mit Songs die wir über die letzten zehn Jahre hinweg aufgenommen haben, aber das steht noch in den Sternen.

MP: Arbeitet ihr schon am nächsten regulären Album?

Gert: Noch nicht. Wir arbeiten an neuen Liedern, haben aber keine sofortigen Pläne ins Studio zu gehen. "Almost Happy" kam letzten September heraus und wird wahrscheinlich in den nächsten Monaten in den Staaten erscheinen. In Belgien und Holland habe wir nun schon unsere dritte Single draussen und in den Staaten wird es die erste im Oktober geben ...

MP: Habt ihr eigentlich ein bestimmtes Image? Auf Promo-Fotos sieht man euch immer im Grünen, so naturverbunden...

Gert: Ich weis nicht, aber sollten wir ein Image haben dann gefällt mir dieses. Ich habe nie darüber nachgedacht. Als wir anfingen, haben wir uns die unterschiedlichsten Bands angesehen - damals hörte ich U2, Police und die Beatles - und du siehst, dass alle diese Bands auch ein Image haben, eine eigene Art des Auftretens in den Medien. Ich würde sagen, grundsätzlich gehen wir eher nach dem kein Image-Image.

MP: Was denkst du über Bands wie Marylin Manson oder Rammstein die ihr Image besonders betonen?

Gert: Es gibt wesentlich mehr Bands, die mehr als nur ihr Aussehen betonen. Rund 95 Prozent arbeiten an ihrem Image, auch wenn man glaubt sie haben gar keines. Ich glaube Nirvana haben wirklich heftig an ihrem Look gearbeitet. Sie trugen immer die gleichen Jeans und eigenartige T-Shirts ... Wir haben daran gedacht als wir das Foto-Shooting für "Almost Happy" machten. Wir wollten so aussehen wie wir uns fühlten, möglicherweise ist das auch ein Image. Das ist lustig, wirklich nur lustig - und hält uns jung.

MP: Magst du Manson?

Gert: Nein, nicht allzusehr - aber ich habe vor einigen Tagen von ihm geträumt - keine Ahnung warum - ich glaube ich habe etwas falsch gemacht. Er war in einem anderen Raum und die Tür war verschlossen. Ich versuchte die Tür einzutreten, aber in einer seltsamen Art und Weise, weil ich bin nicht einfach zur Tür gerannt um sie einzutreten, ich sprang bis zu drei Meter hoch in die Luft, so im Ninja-Stil, und bin immer wieder auf meinen Füssen gelandet. Das war beeindruckend - ich habe es im wirklichen Leben versucht aber es hat nicht funktioniert.

MP: Wie ist die Situation für junge Musiker in Belgien, wenn sie ihren eigenen Stil entwickeln wollen?

Gert: Unglücklicherweise hat es sich in den letzten Jahren verändert. Vor fünf Jahren gab es noch eine sehr gute Musikkultur. Bands wie dEUS und auch wir sind international recht gut angekommen und viele Leute und Plattenfirmen wurden aufmerksam auf die belgische Szene. Sie erkannten, dass einige Bands international klangen, aber anders als Bands aus England oder den Staaten. Also haben sie das einige Zeit unterstützt, aber mittlerweile folgen sie wieder dem US-Trend: eine Single, Airplay so schnell du kannst, gross werden in einigen Wochen und was danach geschieht ist nicht wichtig, denn du hattest ja schon eine Single die mörderisch verkauft hat. Ich denke damit müssen wir den Rest unserer Karrieren leben - für Leute die noch Alben schreiben gibt es nicht viel Aufmerksamkeit von den Plattenfirmen.

MP: Unterstützt ihr junge Bands?

Gert: Speziell in den Ländern in denen wir erfolgreich sind versuchen wir es. Es ist immer nett wenn du in der Position bist, eine Band die du magst mit auf Tour zu nehmen um ihnen eine Chance zu geben. Das ist was Alanis Morissette in den Staaten machte. Als sie uns fragte, ob wir sie begleiten, waren wir nur eine obskure kleine belgische Band. Es war sehr mutig von ihr uns mitzunehmen und das versuchen auch wir - sooft wir die Möglichkeit haben.

MP: Was denkst du über Alanis Morissette?

Gert: Ich mag ihre Musik immer noch sehr. Ich traf sie und habe flüchtig mit ihr geredet, aber ich habe keine Ahnung, wie sie wirklich ist. Es war am Höhepunkt ihrer Tour und für sie sehr hektisch, also tadele ich sie nicht dafür, dass sie mit niemanden Kontakt hatte. Dauernd waren Leute um sie herum, sogar Backstage hat sie immer jemand begleitet. Es muss echt hart sein freundlich zu Menschen zu sein, wenn alle fünf, sechs Sekunden einer daherkommt.

MP: Kannst du in Belgien noch unerkannt auf die Strasse gehen, ohne ein kreischende Meute hinter dir zu haben?

Gert: Es ist anders für Sarah, ich dagegen sehe eher aus wie der durchschnittliche Belgier. Aber auch wenn sie dich erkennen, stürzen sich Belgier nicht gleich auf dich. Meistens fällt mir gar nicht auf, dass mich jemand erkannt hat, bis mich ein Freund darauf aufmerksam macht. Wir sind nicht so erfolgreich das es nervend wird. Es ist wahrscheinlich das Beste nicht allzu berühmt zu werden ... Es sei denn du hast viele Perücken und Sonnenbrillen daheim (lacht).

© MEGALOMANIAC PRODUCTIONS 2001 | 06

Die offizielle Bandsite findet ihr hier: http://www.kschoice.com