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MP: Habt ihr einen Unterschied beim Publikum bemerkt? Dave: Tatsächlich war das Publikum sehr enthusiastisch. Das kann natürlich auch daran liegen, dass dort nicht so wahnsinnig viele Bands aus dem Westen hinkommen. MP: Seid ihr Frauenhelden? Oder wie erklärst du dir eure ungeheure Wirkung auf die weiblichen Zuhörer? Dave: Tja, das mit den Frauenhelden war einmal und ist schon lange vorbei. Wir sind jetzt alle in festen Beziehungen, ich bin verheiratet, Stuart auch... es hat sich also viel verändert. MP: Aber Frauen reagieren doch *ähm* immer noch sehr stark bei euren Liedern... Dave: Vielleicht, weil wir sehr emotionelle Musik machen. Vielleicht ist es auch die Kombination aus den sanften Tönen der Stimme von Stuart. MP: Hattest du denn nie Angst davor, anders behandelt oder beurteilt zu werden, nur weil du auch auf einer Bühne stehst? Dave: Ich habe da nie viel darüber nachgedacht. Natürlich kennen die meisten Leute gar nicht mein "richtiges Ich". Da bin ich eher Projektionsfläche für ihre Wünsche und Träume. Aber dann habe ich auch noch nie Probleme gehabt auf die Strasse zu gehen... MP: Warum hast du mit der Musik angefangen? War es um Mädchen zu beeindrucken oder um dich auszudrücken? Dave: Ich glaube, eigentlich gibt es tatsächlich nur diese zwei Gründe um mit der Musik anzufangen. Bei mir war es eine sehr natürliche, gewachsene Sache. Ich habe mit sechs Jahren angefangen und seitdem immer Musik gemacht. Es war für mich also total normal von der Schule heimzukommen und zu spielen. Ich glaube, sogar wenn ich nicht in einer Band wäre, würde ich auf meinem Keyboard spielen. MP: Ist dann Musik für dich auch sowas wie Therapie? Dave: Nun, nicht gerade Therapie. Ich denke, Musik ist einfach meine Art mich auszudrücken. - Wir sind alle ziemlich schüchtern in der Band, und es ist so einfacher. Man muss Sachen nicht mehr direkt aussprechen, sondern sagt sie durch die Musik. MP: Die Band besteht aus sechs Personen - wie kommt ihr denn mit euren unterschiedlichen Persönlichkeiten zurecht? Dave: Hm, das ist tatsächlich nicht immer einfach. Zum Beispiel haben wir uns letztes Jahr fast getrennt. Wir hatten eine Periode, wo wir auch überhaupt keinen Kontakt zueinander hatten. Wir brauchten alle eine Pause um darüber nachzudenken, was wir wirklich wollen - jeder für sich persönlich und auch mit der Band. Wir wussten wirklich nicht, ob wir als Band weitermachen wollten. Am Ende haben wir uns dann doch dazu entschlossen weiter zu machen. Wir haben dann zusammen einen Soundtrack (Anm.: "Trouble Every Day" zum Film von Clair Denis) gemacht. Den haben wir letzten Sommer in London aufgenommen und es war ein guter Start, um wieder zusammen zu arbeiten. MP: Wo liegen denn überhaupt deine musikalischen Wurzeln? Dave: Ich habe meine Wurzeln in vielen unterschiedlichen Stilen. Mein Vater mochte Country & Western sehr gern - hat aber auch recht viel Marschmusik gehört. Das war schon eine ziemlich eigenartige Mischung zu Hause. Meine Schwester mochte jede Art von Soul und Disco aus den frühen 70ern - so Sachen wie Marvin Gaye und anderes Funkzeug. Ich habe dann mit Roxy Music angefangen, mit Jazz und Punk. Als ich nach London gezogen bin, habe ich leider alle meine alten Vinyl-Platten verkauft, was mir jetzt total leid tut. Ich vermisse sie irgendwie... MP: Ihr fühlt euch also nicht komisch bei einem Jazzfestival aufzutreten? Dave: Nein, überhaupt nicht, wir mögen Jazz und natürlich spielen wir besonders gerne auf Festivals wie diesem hier - so haben wir einen ganzen Abend für uns und unsere Musik. Wir sind dann nicht eine von zwanzig Bands die spielen. Es ist einfach besser, weil wir uns besser auf das Publikum einstellen können. MP: Ihr habt also richtig Spass daran, auf vielen kleinen Festivals aufzutreten, wie man eurem Tourplan entnehmen kann? Dave: Definitiv ja! Das einzige, was die anderen in der Band auch nicht so mögen ist immer diese ganzen kleinen Münzen aus ganz Europa übrig zu behalten. Wir freuen uns also eigentlich alle auf diese neue Europa-Währung. Ich kann immer noch nicht verstehen, warum sich Großbritannien nicht an dieser europäischen Währungsunion beteiligt. Wir halten den Euro für eine gute Idee. MP: Was wären deine drei Wünsche - wenn du die Chance dazu hättest? Dave: Nun - vielleicht eine nette, kleine Insel wo es warm ist. Und dann irgendeine Rückzugsmöglichkeit im Gebirge, sowas verschneites. So könnte ich beide Extreme erleben. Aber abgesehen davon fällt mir nichts bestimmtes ein. MP: Das klingt, als ob du ein glücklicher Mensch bist... Dave: Hm, ja, ich glaube, das kann man so sagen. Es hat mir nie viel bedeutet Geld zu haben oder Dinge zu besitzen. Ich habe einfach nur gerne Musik gemacht. Vielleicht bin ich auch ein selbstgenügsamer Mensch. MP: Bist du denn gar nicht stolz auf den Erfolg, den du erreicht hast? Dave: Ach, weißt du, manchmal mag ich wirklich die Zeit vor zehn Jahren, als uns noch niemand kannte. Ich habe dieses Gefühl total gemocht, bei Null anzufangen. Wir versuchen auch immer wieder Shows vor einem kleinen Publikum zu spielen, damit wir den Kontakt besser kriegen. Die Atmosphäre ist einfach eine ganz andere, wenn du vor nur 200 Leuten spielst, viel intimer. Ich mag es eigentlich viel lieber in kleinen Clubs aufzutreten. Ich mag die Intimität, die Nähe. Ich brauche kein Stadion oder riesige Mengen.
© MEGALOMANIAC PRODUCTIONS 2001 | 07
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